Die Natur in Sailauf und Umgebung

Naturansicht

Naturnaher Bach (1)

Unterhalb der Ortschaft besitzt die Sailauf einen naturnahen Verlauf mit zahlreichen Mäandern und ausgeprägten Gleit- und Prallhängen. Die vegetationsfreien steilen Prallhänge sind kein Zeichen von Naturzerstörung, sondern ein typisches Merkmal naturnaher Fließgewässer und Lebensraum für den bunten Eisvogel. Als weitere typische Fleißgewässerarten kommen die Bachforelle und die beiden Kleinfische, die Bachschmerle und das Bachneunauge, vor. Das Bachneunauge ist in Bayern vom Aussterben bedroht, Ursache ist der Verlust von naturnahen Fließgewässern. Naturnahe Fließgewässer sind durch die Strömung charakterisiert, die sowohl die Bachsohle als auch die Ufer ständig umgestalten. Gerade die Bachabschnitte, in denen sich diese Dynamik frei entfalten kann, wird von den Bachneunaugen bevorzugt besiedelt.

 

Streuobst Aspe (2)

Durch das Klima begünstigt besitzt Sailauf ausgedehnte Streuobstbestände. Über die Umsetzung des Landschaftsplanes konnten die Streuobstwiesen wieder vermehrt werden, wie sie an zahlreichen Neupflanzungen feststellen können. Charakteristisch für die Streuobstwiesen ist das geckernde Lachen des Grünspechtes im Frühjahr. Zudem bieten sie Lebensraum für eine reihe von anderen Vogelarten, wie beispielsweise den Gartenrotschwanz, Neuntöter, Baumläufer u.a.

 

Feuchtwiesen im Erlenbachtal (3)

Im Erlenbachtal befinden sich die größten Feuchtwiesen mit blütenreichen Hochstauden. Den Anfang im Jahr macht die gelbblühende Sumpfdotterblume. Der rosarote Blutweiderich und das weiße Mädesüß bestimmen die Farben im Sommer. Eine Besonderheit ist der weißblühende Fieberklee, der in Unterfranken gefährdet ist. Neben zahlreichen Schmetterlingen kommt hier die stark gefährdete Ringelnatter vor. Mit Hilfe der Landwirte wird dieses Tal wieder offengehalten.

 

Erlenbach (4)

Im Zuge der Flurneuordnung wurde, um eine bessere landwirtschaftliche Nutzung zu erzielen, der Erlenbach hier begradigt. Um ein Eintiefen des Baches zu verhindern wurde die Bachsohle ausgepflastert. Dadurch wurde der Lebensraum Bach in diesem Bereich zerstört. Im Zusammenhang mit der Landschaftsplanumsetzung wurde der Erlenbach wieder in einen naturnäheren Zustand gebracht. Die Verlängerung der Fließlinie ist auch ein Beitrag zur Absenkung der Hochwasserhäufigkeit im Ort.

 

Tümpel an den Anglerteichen (5)

Die flachen kleinen Tümpel sind die idealen Lebensräume für Amphibien. Laut und vernehmlich ist das Quaken des Wasserfrosches vom Frühjahr bis zum Sommer zu hören.

 

Tümpel unterhalb Sämenhof (6)

Diese Tümpel sind nur in den nassen Zeiten des Jahres mit Wasser gefüllt. Solche Tümpel sind Lebensraum für die Gelbbachunke. Ihre Laichzeit dauert bis in den Sommer hinein und ihre Larven entwickeln sich sehr rasch.

 

Kiesgrund (7)

Vor der Flurbereinigung war der Kiesgrund eine nasse Wiese, der Weg befand sich nicht wie heute im tiefsten Punkt des Tales, sondern am Hangrücken. Während der Flurbereinigung wurden die Feuchtwiesen mit einem geradlinigen Graben entwässert. Durch den raschen Wasserablauf kam es zu häufigeren Hochwässern im Ort. Mit der Mäandrierung des Grabens wird das Wasser länger zurückgehalten und es entstand ein neuer wertvoller feuchter Lebensraum.

 

Kulturlandschaft Kirchenfeld (8)

Im Kirchenfeld erleben Sie eine nahezu unveränderte Landschaft, die auch durch die Flurneuordnung keine Veränderung erfuhr. Mosaikartig wechseln schmale Acker, Wiesen und Streuobstwiesen miteinander ab. Dieser Bereich läßt erahnen welche Vielfalt die ehemalige Kulturlandschaft bot.

 

Lebensraum Fließgewässer  (9)

Der Lebensraum Fließgewässer besteht nicht nur aus dem Wasserkörper, sondern gerade auch aus der Bachsohle. Bis zu einem halben Meter unter der Bachsohle kommen hier noch Bachorganismen vor, die in dem Sand-Kies-Lückensystem leben. Wenn Sie die Bachsohle ganz genau beobachten, so entdecken Sie zwischen Holzgetreibsel einzelne sich bewegende kleine etwa ein bis zwei Zentimeter große Zweigstückchen, in der Köcherfliegenlarven leben. In raschfließenden Abschnitten halten sich Steinfliegen ganz plattgedrückt unter Steinen fest.

 

Quellen am Bischling (10)

An den Schichtgrenzen des Buntsandsteins (Bröckelschiefer) treten zahlreiche Quellen auf. Typischer Besiedler dieser Quellen ist der Feuersalamander. Im Frühjahr fällt die hellgelbe Färbung des Milzkrautes auf.

 

Quellbach (11)

Einige Libellen leben auch an, bzw. in den Fließgewässern. Sie alle sind rar geworden, da auch naturnahe Fließgewässer selten geworden sind. An der Sailauf kommt die zweigestreifte Quelljungfer vor, eine große schwarze Libelle mit gelben Streifen, die im Sommer entlang des Baches patroulliert.

 

Steinbachsee (12)

Ohne den Einfluß des Menschen gäbe es in Sailauf keine Tümpel, da abflußlose Senken in diesem Landschaftsraum fehlen. Im naturnahen Zustand stellen sie eine Bereicherung der Landschaft dar und bieten zahlreiche Tier- und Pflanzenarte einen wertvollen Lebensraum. Am Steinbachsee können sie im Frühsommer zahlreiche Libellen bei der Nahrungssuche, Paarung und Eiablage beobachten.

 

Steinbruch Hartkoppe (13)

In dem durch das Kristallin, dem ältesten geologischen Gestein Bayerns, geprägten Vorspessart ist der Rhyolith, häufig auch Quarzporphyr genannt, eine Besonderheit. Vor ca. 290 Mio. Jahren kam es während der variskischen Gebirgshebung zu einem Aufdringen sauerer Schmelze, die zu dem Rhyolithen erstarrten¹. Die Hartkoppe - so der Name des Gebietes - ist das größte, bekannte, durch Erosion freigelegte Vorkommen. Das Material wurde erst ab dem 18. Jh. für den Straßenbau verwendet, Vereinzelt wurden auch Hausfundamente mir dem Stein gebaut, wobei hier der einfach zu bearbeitende Buntsandstein bevorzugt wurde, und die Bachufer mit diesem Material befestigt. Erst nach dem Krieg begann der Abbau in einem immer intensiveren Maße. Das abgebaute Material wird heute zu Straßenbaustoffen gebrochen, größere Steine finden als Wasserbausteine in der Gartengestaltung Verwendung, aber auch für Fassadenelemente und Verbundpflaster. Gefördert werden heute täglich 1500 t, die in Deutschland, Niederlande, Belgien, Frankreich, Österreich und Schweiz mit dem LKW transportiert werden.

 

Für Mineralogen ist der Steinbruch ein Eldorado, so kommen bis zu 75 Mineralien vor. Von einigen sind weltweit nur ein bis zwei weitere Fundorte bekannt.

 

Unteres Steinbachtal und Sailauf (14)

Am Unteren Steinbach- und im Sailauftal können Sie die Landschafts- und Nutzungsgeschichte nachspüren. Früher wurde der Talraum des Unteren Steinbachtals als Wiese genutzt. Viele Familien im Dorf bewirtschafteten schmale handtuchartige Grundstücke. Am Rand der Grundstücke wurden mit dem Spaten Entwässerungsgräben ausgehoben. Diese sind noch an einigen Stellen erkennbar. Heute werden die Bachtäler nicht mehr als Wiesen genutzt und entweder aufgeforstet, oder der Sukzession überlassen. Mit Hilfe der Landwirte wird eine Wiesenfläche noch gemäht um einen Teil des ehemaligen Landschaftsbildes zu erhalten.

 

Acker (15)

Auch Äcker sind Lebensräume. Sehr bunte und artenreiche Bestände finden sich am alten Kirchenweg mit dem roten Klatschmohn und der blauen Kornblume.

 

Waldrand (16)

Waldsäume sind Übergangsbereiche zwischen Wald und Flur und für den Arten- und Biotopschutz sehr wertvoll. In diesem Bereich trifft das Artenspektrum der beiden unterschiedlichen Lebensräume aufeinander. Beispielsweise steigt die Vogeldichte am Waldrand um das 10fache gegenüber dem Waldinneren an. Besonders schöne und artenreiche Waldränder gibt es in Eichenberg.

 

Blick in den Vorspessart (17)

siehe Wanderkarte

 

Blick in den Kahlgrund (18)

siehe Wanderkarte

 

Streuobstlehrpfad (19)

Die Allianzstiftung ermöglichte die Einrichtung eines Obstlehrpfades. Zusammen mit den Schülern des Ortes Sailauf wurden alte, lokale Sorten wiederentdeckt und Informationen darüber zusammengetragen. Besuchen Sie den Obstlehrpfad, Sie werden über die vielen Informationen staunen.

 

Hohlwege (20)

Einige historische Wegeverbindungen sind im Gemeindegebiet noch erkennbar. Sie verlaufen auf den Höhenrücken und erschlossen die Ortsteile Sailauf, wenn die Verhältnisse im Tal zu feucht waren. Die Hohlwege gehören aufgrund ihrer langen Entwicklungszeit zu den wertvollen Bereichen für Arten- und Lebensgemeinschaften.

 

¹) Lorenz Joachim 1997: Ein Beitrag zur Geschichte es Steinbruches im Rhyolith von Sailauf. In: Sonderdrucken des Aschaffenburger Jahrbuches für Geschichte, Landeskunde und Kunst des Untermaingebietes, und Lorenz Joachim 1991: Die Mineralien im Rhyolith Steinbruch von Sailauf. In: Nachrichten Naturwissenschaftliches Museum Aschaffenburg Bd. 97, 1991

drucken nach oben